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Gewässerraum

Ein genügend grosser Gewässerraum ist der Schlüssel zur nachhaltigen Lösung von Konflikten mit dem Biber

Veränderte Gewässerlandschaft 
Der Biber kehrt heute in eine Landschaft zurück, die sich seit seiner Ausrottung vor 200 Jahren dramatisch verändert hat. Viele Gebiete wurden trockengelegt, Bäche eingedolt, begradigt und fest verbaut. Ein Viertel aller Gewässerstrecken in der Schweiz ist heute vollkommen künstlich, stark beeinträchtigt oder eingedolt. Zwei Drittel des potenziell für den Biber besiedelbaren Gewässernetzes sind in einem strukturell stark beeinträchtigten oder naturfremden Zustand (siehe auch  Strukturen der Fliessgewässer in der Schweiz ). Nebst dem vielfach unnatürlichen Zustand der Gewässer ist in den vergangenen Jahrzehnten der Raum der Fliessgewässer durch den Bau von Siedlungen, Verkehrswegen sowie die Intensivierung der Landwirtschaft immer mehr eingeengt worden. 70 Prozent der potenziell für den Biber besiedelbaren Gewässer weisen heutzutage ein- oder beidseitig eine Strasse auf. Und oft reicht die Landnutzung bis unmittelbar an die Gewässer.

Nachhaltige Lösungen gesucht 
Biber nutzen nur einen sehr schmalen Streifen von wenigen Metern am Gewässer, in dem sie fast alle ihre Aktivitäten erledigen. Schon ein Uferstreifen von 10 bis 20 Metern Breite hilft, praktisch sämtliche Konflikte mit dem Biber präventiv zu vermeiden. Ihm selbst ist es zwar meist egal, ob seine Gewässer natürlich fliessen und ob sie diesen Raum links und rechts haben, denn er hat uns in den letzten Jahren gezeigt, dass er auch sehr unnatürliche Gewässer besiedeln kann. Wenn das Nahrungsangebot stimmt - im Landwirtschaftsgebiet ist dies nebst Ufergehölzen ein reiches Angebot an landwirtschaftlichen Kulturen - hat der Biber damit keine Probleme. Ist das Nahrungsangebot ausreichend passt er das Gewässer hinterher seinen Bedürfnissen an. Genau dabei kommt es jedoch zu Konflikten mit uns Menschen. Der Biber braucht solche Flächen entlang der Gewässer also, um konfliktfrei neben dem Menschen leben zu können, was für eine hohe Akzeptanz für den Biber in der Bevölkerung sehr wichtig ist. Aber auch unsere Gesellschaft braucht derartige Flächen aus folgenden Gründen: 

  • Sie vermindern den Eintrag von Stickstoff- und Pflanzenschutzmitteln in die Gewässer.
  • Sie bieten Lebensraum und Wanderkorridore für viele weitere Tier- und Pflanzenarten.
  • Sie dienen als Rückhaltefläche bei Hochwasser.
  • Natürlich fliessende Gewässer bieten uns Menschen Erholungsraum.
  • Aus der Sicht des Bibers ist das Wichtigste aber: Sie helfen Konflikte mit dem Menschen präventiv vermeiden.

 
Laufende Programme des Bundes 
Dass im Bereich Gewässerschutz Handlungsbedarf besteht, hat das Parlament Ende 2009 mit dem Gegenvorschlag Schutz und Nutzung der Gewässer  zur Volksinitiative «Lebendiges Wasser» (Renaturierungsinitiative) erkannt und gesetzlich umgesetzt. Der Gegenvorschlag führte 2011 zu Änderungen im  Gewässerschutzgesetz und in der Gewässerschutzverordnung . Die Änderungen sehen Folgendes vor: die Revitalisierung von Gewässern, die Verminderung negativer Auswirkungen von Schwall und Sunk unterhalb von Wasserkraftwerken, die Reaktivierung des Geschiebehaushalts und die Wiederherstellung der Durchgängigkeit von Gewässern für Fische. Zusätzlich sollen die Gewässer mehr Raum erhalten.
Grundlage zur Berechnung des Gewässerraums bildet die Schlüsselkurve (siehe unten). Sie gilt vor allem für kleinere Gewässer. Die Gewässerschutzverordnung sieht in   Art. 41a Gewässerraum für Fliessgewässer    folgende Uferstreifen für Gewässer bis 15 m Sohlenbreite vor. 

 


Art. 41a: (...)
2In den übrigen Gebieten muss die Breite des Gewässerraums mindestens betragen:

a. für Fliessgewässer mit einer Gerinnesohle von weniger als 2 m natürlicher Breite: 11 m;
b. für Fliessgewässer mit einer Gerinnesohle von 2–15 m natürlicher Breite: die 2,5-fache Breite der Gerinnesohle plus  7 m.

Dies führt zu folgenden Uferpufferbreiten: 
Sohlenbreite (m) Gewässerraum (m) Uferpuffer links und rechts (m)
1 11 5
2 12 5
3 14.5 5.8
4 17 6.5
5 19 7.3
6 22 8
7 24.5 8.8
8 27 9.5
9 29.5 10.3
10 32 11
11 34.5 11.8
12 37 12.5
13 39.5 13.3
14 42 14
15 44.5 14.8

 

 

Schlüsselkurve