Mission B

Jeder Quadratmeter zählt! Nehmen Sie an der von SRF ins Leben gerufenen Mission B teil: fördern Sie die Biodiversität in Ihrem Garten, indem Sie Bereiche mit vielen einheimischen Pflanzen erschaffen, welche vielen Tierarten Lebensraum bieten. Ersetzen Sie zum Beispiel eine Thujahecke durch eine Hecke aus einheimischen Sträuchern, die einheimischen Vögeln Unterschlupf und Nahrung bietet, verwandeln Sie ein Stück Rasen in eine Blumenwiese, lassen Sie Ihren Balkon mit Wildblumen erblühen....es gibt unzählige Möglichkeiten!

www.floretia.ch hilft Ihnen bei der Auswahl der lokalen Pflanzenarten, welche für Ihren Garten geeignet sind.

Garten SO+ 29. 6. 19 (9)© Felix Amiet.jpg

Unsere Insekten, Amphibien, Reptilien, Vögel und Säugetiere haben in den letzten Jahrzehnten einen massiven Rückgang erlitten. Natürliche Lebensräume verschwinden, und mit ihnen die Artenvielfalt. Es ist deshalb notwendig, unsere Gärten für die Fauna einladender zu gestalten. Die Förderung einheimischer Pflanzen alleine reicht allerdings nicht ganz aus, denn die meisten Tiere in unseren Gärten sind auf spezielle Strukturen angewiesen, um sich entwickeln zu können, sich davon zu ernähren oder Unterschlupf zu finden: Holzhaufen, Hecken, Blumenwiesen, Höhlen in Bäumen für Vögel und Insekten, Durchgänge zwischen Gärten für die Igel, etc. 

Die Garten-Charta bietet Ihnen viele Tipps, wie Sie Ihren Garten zugunsten der Natur gestalten können.

 

Die Insekten und wir 

Der Mensch hat schon immer einen harten Kampf gegen schädliche Insekten geführt, zum Beispiel gegen die zahlreichen Pflanzenschädlinge, die Ungebetenen in unseren Häusern, die Krankheitsüberträger, die Läuse auf dem Kopf der Kinder. Allerdings sind nicht alle Insekten schädlich. Ganz im Gegenteil...

Insekten bilden die Nahrungsgrundlage für zahlreiche Arten der Vögel, Säugetiere (Fledermäuse, Spitzmäuse), Reptilien (insbesondere Eidechsen), Amphibien (Frösche und Kröten) und Wirbellose. Unglaublich viele andere Organismen hängen vom Überleben der Insekten ab, darunter auch die meisten Blütenpflanzen, welche für die Fortpflanzung auf die Bestäubung durch Insekten angewiesen sind. Darüber hinaus sind Insekten in grossem Masse am Abbau (Recycling) organischer Stoffe beteiligt (Laub, Totholz, Kadaver, Exkremente). Für das reibungslose Funktionieren der Ökosysteme und letzlich das menschliche Überleben sind Insekten von entscheidender Bedeutung.

Viele Insekten ernähren sich von Nektar und Pollen. Pflanzen Sie im Garten und auf dem Balkon deren Lieblingsblumen!


Einige Tipps und Tricks zur Förderung der Biodiversität in Ihrem Garten

Biodiversität dank Blumeninseln im Garten

Garten SO+ 30. 5. 2012(9)©Felix Amiet.jpg

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  • Abstand zwischen Schnitten verlängern
  • Wiese nicht zu kurz mähen
  • Inseln mit Wildblumen stehen lassen
  • Krautsäume ungemäht lassen
  • Verzicht auf jegliche Herbizide, Fungizide und Insektizide
  • Weitere Infos

    Ein zu kurzer Schnitt Ihres Rasens erhöht das Risiko des Austrocknens. Je länger die Grashalme, desto stärker werden ihre Wurzeln. Dies führt nicht nur zu einer robusteren Vegetation, sondern bietet Insekten, insbesondere den Heuschrecken, einen geeigneteren Unterschlupf. Verlängern Sie auch den Abstand zwischen zwei Schnitten, lassen Sie ungemähte;(Blumen-)Inseln und Krautsäume stehen, damit zu jeder Jahreszeit Wildblumen blühen, welche den Wildbienen und allen anderen Tieren, welche auf Nektar und Pollen angewiesen sind, gerne angenommen werden! Durch die Förderung dieser Invertebraten werden auch alle insektenfressenden Tiere gefördert, wie der Igel, die Fledermäuse, die Spitzmäuse...

Naturteich statt Goldfisch-Weiher

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  • Setzen Sie keine Fische in Ihren Teich, da sie die Eier und Kaulquappen der einheimischen Amphibien oder die Larven von Insekten (z.B. Libellen) fressen.
  • Geben Sie den Pflanzen und Tieren Zeit, Ihren Weiher von selbst zu besiedeln und sehen Sie von einer Aussetzung ab (zumal es gesetzlich auch verboten ist, geschützte Arten - unter anderem die Amphibien - zu fangen und bei sich freizulassen!).
  • Unterhaltsarbeiten wie das Zurückschneiden der Vegetation oder das Entfernen von übermässigem Schlamm sind oft notwendig, um einen Sauerstoffmangel im Gewässer zu vermeiden. Führen Sie diese Arbeiten gegen Saisonende im Herbst aus. 
  • Weitere Infos

    Weiher sind sehr artenreiche Lebensräume. Es gibt verschiedene Weihertypen und mehrere Möglichkeiten, um sie zu erstellen. Die Website von info fauna - karch gibt wertvolle Tipps für die Erstellung eines Weihers

    Nach dem Bau des Weihers muss er regelmässig gepflegt werden, um einen Sauerstoffmangel und eine Verlandung zu verhindern. Die Unterhaltsarbeiten werden jeweils im Spätsommer und Herbst durchgeführt, um den Eingriff für die Tierwelt möglichst gering zu halten. 

     

    Die Tigermücke entwickelt sich nicht in Weihern !

    Die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) ist in der Schweiz hauptsächlich im Tessin aufgetreten, und mit ihr die Mückenstiche und die Gefahr mehrerer Krankheiten wie Chikungunya- und Dengue-Fieber. Es besteht aber kein Anlass zur Sorge, denn um diese in der Schweiz sehr seltenen Krankheiten zu übertragen, muss die Mücke zuvor bereits eine infizierte Person gestochen haben.  

    Im Gegensatz zu ihren heimischen Kollegen bevorzugt die Tigermücke keine Teiche und Weiher, sondern stagnierende Wasserpfützen rund um Häuser. Um deren Vermehrung in unseren Gärten und Balkonen nicht zu fördern, sollen Objekte entfernt werden, in welchen Wasser stehen bleiben kann. Alte Pneus, Plastikplanen, Behälter, Giesskannen, Pflanzenuntersetzer etc. Wechseln Sie einmal wöchentlich das Wasser in Blumentöpfen. Die Tigermücke ist an ihrer geringen Grösse im Vergleich mit der Gemeinen Stechmücke, den weissen Streifen auf dunklem Grund auf Bauch und Beinen sowie einer weissen Linie entlang der Oberseite des Thorax verläuft, zu erkennen.  

Insektenhotel

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  • Bauen Sie Ihr eigenes Insektenhotel
  • Stellen Sie es vor Wind und Regen geschützt an einer besonnten Stelle auf
  • Fördern Sie damit Wildbienen (von welchen es in der Schweiz rund 600 Arten gibt) und eine ganze Reihe weiterer Arten!
  • Weitere Infos

    Hohle Stängel, Löcher in Totholz oder Spalten in alten Mauern bieten zahlreichen Insektenarten Nistmöglichkeiten. Die Mauerbienen zum Beispiel bilden darin kleine Zellen, in welche sie jeweils ein Ei legen und es mit Pollen versorgen, welcher den Larven als Nahrungsreserve dient. Obwohl gut geschützt durch die von der Mutter geschaffene Lehmwand, kann ihnen dennoch ihre Nahrung gestohlen werden oder sie werden von anderen Arten gefressen oder parasitiert, wie von Goldwespen, Kukuckswespen, anderen Hautflüglern, Käfern oder Zweiflüglern. So wird ein ganzes Netzwerk von Arten direkt oder indirekt durch das Insektenhotel gefördert. Je zahlreicher und vielfältiger das Angebot ist, desto mehr verschiedene Arten werden gefördert. Falls Ihr Garten noch nicht über ein Bienenhotel verfügt, zögern Sie nicht, eines selbst zu erstellen.

    Achten Sie darauf, das Insektenhotel richtig zu positionieren: am besten mit der Rückwand an eine Mauer und vor Witterungseinflüssen geschützt, damit es zu Beginn der Saison nicht Wind, Frost oder Regen zum Opfer fällt.

    Weiterführende Links:

Durchgänge für Kleintiere

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  • Lassen Sie Durchgänge für kleine Wildtiere, sodass Igel von einem Garten zum anderen gehen können
  • Installieren Sie Ausstiegshilfen in Teichen und Schwimmbädern
  • Weitere Infos

    Igel haben einen grossen Aktionsradius und allzuoft wirken unsere Gärten als Hindernisse, anstatt ihnen günstige Lebensräume zu bieten. 

    Nicht selten ertrinken Igel oder andere Säugetiere in Wasserbecken. Der Igel ist zwar ein ausgezeichneter Schwimmer, aber wenn er keine Möglichkeit zum Ausstieg findet, wird er an Erschöpfung sterben. Dabei ist es sehr einfach, eine Ausstiegshilfe in Wasserbecken und Schwimmbädern zu installieren. Da die Populationen der Igel abnehmen, ist es wichtig, sie in unseren Gärten zu fördern, damit ihre Populationen stabil bleiben und so unsere Nacktschnecken verputzen können!

    Rücksichtsvoller Einsatz von Saugern, Bläsern und Motorsensen bei der Gartenfpflege um eine unbeabsichtigte Tötung von Tieren zu vermeiden.

    Auch Eichhörnchen benötigen ein grosses Territorium und wechseln von einem Garten zum nächsten, indem sie in Bäumen auf Äste klettern, welche Mauern und Hecken überragen. Um diese schönen Äste an diesen Standorten stehen zu lassen, müssen Sie natürlich zuerst mit Ihrem Nachbarn sprechen...

    Weiterführende Links:

Asthaufen und Kleinstrukturen

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  • Asthaufen in Ihrem Garten bieten Unterschlüpfe für vieleTiere wie Igel, Spitzmäuse, Amphibien und Reptilien
  • Spezialisierte Organismen benötigen Totholz für ihre Larvenentwicklung
  • Weitere Infos

    Asthaufen bieten zahlreichen Arten Unterschlupf und Schutz vor Fressfeinden wie den Hauskatzen. Hohes Gras sowie dichte und dornentragende Sträucher können zusätzlich vor Fressfeinden schützen. Totholz kann somit als Unterschlupf, aber auch als Kinderstube genutzt werden. Vielleicht haben Sie bereits Holzbienen gesehen, welche durch ihre Grösse und dunkle Farbe beeindrucken. Sie legen ihre Eier in Totholz, in welchem sich die Larven entwickeln. Achten Sie darauf, dass Sie alte, zu Boden gefallene Äste von Obstbäumen nicht sofort aufheben oder verbrennen, sondern sie bis zum nächsten Frühjahr liegen lassen, damit sie die Larven der Holzbienen sowie weiterer Arten ihre Entwicklung abschliessen und im Sommer schlüpfen können. 

     

    Biologische Abhilfe beim Buchsbaumzünsler

    Die Raupen des aus Ostasien stammenden Buchsbaumzünslers (Cydalima perspectalis) befallen nur den Buchsbaum und können mit drei Generationen pro Jahr rasch eine Hecke schädigen. Es gibt nur wenige Taktiken, um einen Befall durch diesen Schädling zu verhindern. Die Raupen sind jedoch eine leichte und beliebte Beute für die Meisen. Das Anbringen von Nistkästen für Meisen kann dazu beitragen, den Buchsbaumzünsler in Schach zu halten. Wenn sich dieser Falter einmal installiert hat, helfen mechanische Massnahmen, um nicht auf chemische Produkte zurückgreifen zu müssen, welche je nach Larvenstadium wenig effektiv sind und leider auf jegliche Raupenarten wirken. Die Raupen können entweder von Hand abgelesen oder durch Schütteln der Sträucher aufgefangen werden (die Raupen verursachen keinen Hautausschlag). Glücklicherweise erholen sich Buchsbäume oft nach einem Befall, auch wenn keine Blätter mehr auf den Zweigen sind!  

Dunkelheit und alte Bäume für Fledermäuse

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  • Vermeiden Sie die permanente Gartenbeleuchtung während der Nacht
  • Erhalten Sie alte Bäume, welche Höhlen für Fledermäuse und höhlenbrütende Vogelarten bietet
  • Stellen Sie Nistkästen für Fledermäuse auf
  • Weitere Infos

    Das Verhalten vieler Insekten und nachtaktiver Säugetiere wird durch die nächtliche Beleuchtung beeinflusst. Die Fledermäuse und Nachtfalter leider darunter. Für die gute Entwicklung dieser Arten ist es wichtig, im Garten auf solche Dauerbeleuchtungen zu verzichten. Lassen Sie auf jeden Fall alte Bäume stehen, denn diese weisen oft kleine, in unseren Gärten selten gewordene Hohlräume auf, welche von Fledermäusen genutzt werden. Falls dies nicht möglich ist oder keine alten Bäume vorhanden sind, bringen Sie Fledermauskästen an.

    Weiterführende Links:

Beobachtung melden und zum Artenschutz beitragen

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Indem Sie Ihre Tier-Beobachtungen an das nationale Datenzentrum info fauna - CSCF&karch melden, unterstützen Sie den Natur- und Artenschutz in der Schweiz. Am einfachsten geht dies mit Hilfe von Webfauna

Säugetiere, Libellen, Amphibien und Reptilien können Sie mit den kostenlosen Bestimmungsschlüsseln in der Webfauna App identifizieren und gleich melden.
 

 

Biodiversität in Ihrem Garten

Holzbiene Xylocopa valga SO© Felix Amiet.jpgDie Östliche Holzbiene (Xylocopa valga) kann auch in Gärten mit ausreichend Totholz beobachtet werden

Pyrausta purpuralis© Felix Amiet.jpgPurpurroter Zünsler (Pyrausta purpuralis)

Osmia aurulenta Forst© Felix Amiet.jpgGoldene Schneckenhaus-Mauerbiene (Osmia aurulenta), eine Wildbienenart, welche Schneckenhäuser zur Eiablage nutzt

Taubenschwanz© Felix Amiet.jpgDas Taubenschwänzchen (Macroglossum stellatarum) gleicht mit seinem Schwirrflug einem Kolibri, gehört jedoch zu den einheimischen Nachtfaltern.