Fermer

Neue Arten für die Schweiz

Vier neue Köcherfliegenarten für die Schweizerfauna
Im Rahmen der Aktualisierung der Roten Listen der Wasserorganismen sind vier neue Köcherfliegenarten zum ersten Mal in der Schweiz nachgewiesen worden. Es handelt sich dabei um Anabolia furcata Brauer, 1857, die im Jahre 2001 im Walensee entdeckt wurde (V. Lubini, LR), Leptocerus lusitanicus (McLachlan, 1884), entdeckt 2004 im Rhein (H. Vicentini, LR), Oecismus monedula (Hagen, 1859) beobachtet namentlich in einer Quelle in der Region Perlen im Jahre 2002 (V. Lubini & H. Vicentini) und Polycentropus schmidi Novak & Botosaneanu 1964, aufgefunden 2004 in der Sense (P. Stucki, LR).

Acrotylus patruelis (Herrich-Schäffer, 1838) [Heuschrecke, Acrididae]
Ein Weibchen dieser tropisch-afrikanischen Art konnte am 30.8.2003 im Maggiadelta bei Locarno TI beobachtet werden (E. Sardet, LR). Mit dem Auffinden von Larven und Adulttieren im August 2004 (E. Sardet, C. Roesti) konnte nachgewiesen werden, dass sich die Schlanke Ödlandschrecke dort erfolgreich fortgepflanzt hat. Zwei weitere Populationen konnten zudem im August 2004 in den Randgebieten von Rebbergen bei Chiasso TI (C. Roesti, LR) und  in einem Steinbruch bei Arzo TI (A. Conelli, LR) festgestellt werden. Die überheissen Bedingungen von 2003 haben es dieser Heuschrecke erlaubt, ihr Verbreitungsgebiet gegen Norden auszudehnen. Diese Art wurde zudem Ende September 2003 bei Nürnberg D entdeckt, wo eine passive Einschleppung vermutet wird (Pankratius 2004).

Troglophilus cavicola (Kollar, 1833) [Heuschrecke, Gryllidae]
Die Höhlenheuschrecke war in der Schweiz bis kürzlich nur von einem Standort bei Brusio GR im Puschlav bekannt. Die Art konnte dort 1983 in einem Gebäude beobachtet werden, wurde jedoch nicht eingefangen  (J. Kohler). Dank gezielten Nachforschungen im Felde konnte an alten Mauern in der Nähe des ursprünglichen Standortes eine kleine Population nachgewiesen werden (H. Bauch, C. Germann & C. Kropf). Diese Heuschrecke ist in den Höhlen der Lombardei östlich des Comersees gut vertreten (Banti et al. 1991), in den Höhlen des Tessins gelang aber bisher kein Nachweis.

Coenagrion scitulum (Rambur, 1842) [Libelle, Coenagrionidae)
Zwei Individuen der Gabel-Azujungfer in Paarung konnten am  24.5.2001 auf dem Alten Rhein bei Diepoldsau SG, an der Grenze zu Österreich beobachtet werden (B. Schmidt). Der Fang eines Männchens gelang am 14.8.2002 bei Porrentruy JU (C. Monnerat). Diese holomediterrane Art zeigt eine deutliche Tendenz zur Ausbreitung in der Region Rhône-Alpes F (GRPLS 2004) wie auch in Belgien (Goffart & Schaetzen 2001). Die der Schweiz nächstgelegenen Populationen befinden sich im Departement des Ain und in der Franche-Comté F (GRPLS 2004, Prot 2001).

Brachypteroma ottomanum Heyden, 1863 [Käfer, Cerambycidae]
Dieser Bockkäfer wurde in der Schweiz erstmals im Jahre 1999 nachgewiesen (Germann 2000), konnte aber seither an neuen Standorten beobachtet werden: am 11.5.2003 bei Rovio TI (M. Abderalden, LR), am 27.4.2004 bei Vico Morcote TI (C. Monnerat) und am 20.5.2004 bei Meride (C. Pradella, LR). Dieser sehr kleine Käfer mit  ponto-mediterraner Verbreitung besitzt in der Schweiz weiterhin ein sehr begrenztes Verbreitungsgebiet, da alle Fundorte im Sottoceneri liegen. Über die Ökologie dieser Art liegt noch wenig vor, bekannt ist jedoch, dass der Efeu (Hedera helix) zu seinen Wirtspflanzen gehört (Bense 1995).

Nustera distigma (Charpentier, 1825) [Käfer, Cerambycidae]
Ein Individuum dieses Bockkäfers konnte am 3.5.2003 bei Mergoscia TI, im Val Verzasca gefangen werden (R. Graf). Das Hauptverbreitungsgebiet dieser Art liegt auf der Iberischen Halbinsel. Diese Art entwickelt sich auf den Eichen und besitzt ein paar isolierte Vorkommen in Südfrankreich (Villiers 1978). Die Existenz einer Reliktpopulation im Tessin ist möglich, muss jedoch noch bestätigt werden. Da die Distanz zwischen den nächsten Vorkommen in Frankreich und Mergoscia 400 km beträgt, bleibt als einzige Hypothese eine zufällige Einschleppung übrig. Um den Status dieser Art in der Schweiz klar zu stellen, sind gezielte Nachforschungen in den Eichenwäldern des Val Verzasca wünschenswert.