Fermer

Fauna und Klima

2009: Massives Auftreten des Distelfalters (Vanessa cardui Rhopalocera) in der Schweiz
Der Distelfalter (Vanessa cardui) ist eine der seltenen Schmetterlingsarten, die jedes Jahr von Nordafrika her in die Schweiz einwandert. Dieses Phänomen findet jeden Frühling statt (von April bis Juni), aussergewöhnlich am Jahre 2009 ist jedoch die extrem hohe Anzahl an wandernden Individuen.

Vanessa cardui  ist keine wandernde Art im engeren Sinne, da es sich nicht um dieselben Individuen handelt, die im Frühling in den Norden und im Herbst in den Süden fliegen (im Gegensatz zu den zwei Monarchenfaltern Nordamerikas). An diesen zielgerichteten Wanderungen nimmt nur ein Teil der Falterpopulation teil. Allen Individuen ist hingegen gemein, dass sie sich das ganze Jahr über ständig verschieben. Eine Mehrheit davon zieht im Frühling gegen den Norden und im Herbst gegen den Süden.

Die Individuen fliegen im Direktflug (25-30km/h) und ruhen sich nur selten aus um Nektar zu sammeln und dann wieder weiter zu ziehen. Dieser Falter sucht bestimmte Standorte auf, um sich dort fortzupflanzen und dann zu sterben. Bei Vanessa cardui handelt es sich um eine Art mit mehreren Generationen und mit kurzen Zyklen pro Jahr (plurivoltin). Die jeweils nachfolgende Generation setzt die Wanderung gegen Norden fort, einige Individuen erreichen dabei in bestimmten Sommern sogar Island. Es ist demzufolge wahrscheinlich, dass ein Teil der noch frisch aussehenden Individuen, welche zurzeit die Schweiz aufsuchen, nicht direkt aus Nordafrika kommen, sondern Nachkommen einer Generation sind, welche das Mittelmeer überquert haben. 

Im Herbst kehrt ein grosser Teil der Nachkommen in den Süden zurück. Unter denen, welche auf der Alpennordseite verbleiben, überleben einige vermutlich milde Winter.

2009: Cupido argiades (Rhopalocera) fliegt bereits an der Küste von Neuenburg.
Die am 15. April 2009 frühen Beobachtungen in der Gemeinde Hauterive der Cupido argiades durch Laurent Juillerat sind sehr interessant: Sie bestätigt die lokale Einbürgerung der C.argiades. Das systematische Fangen der kleinen Lycaenidae und die Handbestimmung ermöglichen eien verbesserte Erkenntnis der Kurzschwänziger Bläuling.

2008: Erste Beobachtungen von Pieris mannii auf der Alpenordseite
In der Schweiz ist Pieris mannii bis zum Jahr 2008 ausschliesslich vom Wallis und Südtessin, historisch auch von Genf, bekannt. In den letzten Jahren wurde P. mannii in der Genferseeregion wiederentdeckt (Wermeille). Die höchsten Vorkommen wurden knapp über 1000 msm registriert (Wallis).

Am 23.Juli 2008 haben Bernhard Jost sowie Hanspeter und Sebastian Wymann im unteren Simmental (BE) zufälligerweise Pieris mannii nördlich der Alpen gefunden. Der dortige Lebensraum entspricht den bereits vom Wallis her bekannten Habitaten: Ein xerothermer, teils locker bewaldeter Kalkabbruch. In den folgenden Tagen stellte sich heraus, dass dort eine kräftige Population von Pieris mannii heimisch ist.
Ende Juli fand H.P.Wymann die Art in grosser Zahl an seinem Wohnort, in Jegenstorf, in der Nähe von Bern. Gleichzeitig wurde die Art in Wimmis BE, in Thun BE, in der Stadt Bern und an weiteren Orten im Berner Mittelland nachgewiesen. Am 2.8.2008 fand Ruedi Bryner die Art in Biel, am Jurasüdfuss, und am 3.8.2008 konnten Jost und  Ziegler die Art im Kanton Solothurn finden (Lohn, Solothurn, Olten). Nachträglich erhielten wir von Wermeille die Meldung, dass er im Mai 2008 Pieris mannii bei Genf und im Juli 2008 im Solothurner Jura beobachtet habe. Im Jahr 2001 fand Bordon Pieris mannii am Südfuss des französischen Juras (Croset, pays de Gex, F-Ain). 2005 wurde die Art seit 1918 erstmals wieder im Kanton Genf nachgewiesen (Gilles Carron), und 2006 schliesslich fand sie Wermeille im Waadtländer Jura

Die inzwischen vorliegenden Belege der Pieris mannii aus dem Schweizer Mittelland zeigen die Aspekte der Pieris mannii alpigena, sie entsprechen also der Unterart, wie sie auch in Südfrankreich und im Wallis vorkommt. Dass Pieris mannii die hohen Walliser Pässe überwunden hat und so das Mittelland erreicht hat, ist unwahrscheinlich. Genauso können wir die Annahme ausschliessen, Pieris mannii sei bisher im Jura und im Mittelland übersehen worden. Besonders wertvoll sind die Beobachtungen im westlichen Genferseegebiet. Dies untermauert die Hypothese, Pieris mannii habe sich im Hitzesommer 2003 von Südfrankreich aus entlang der Rhone nordwärts bis in die Region Genf ausgebreitet. Die weitere Ausbreitung entland des Juras und im Mittelland dürfte erst später erfolgt sein, vermutlich zwischen Herbst 2007 und Frühling 2008. Die Ausbreitung im Mittelland wird begünstigt, weil Pieris mannii im Siedlungsgebiet ein Ersatzhabitat gefunden hat, das seinem ursprünglichen Lebensraum weitgehend entspricht: Die dort festgestellte Raupennahrungspflanze Iberis sempervirens ist in den Vorgärten reichlich vertreten, und die Häuser und Gartenbepflanzungen entsprechen seiner Vorliebe für felsige, xerotherme, vegetationsreiche Strukturen.

Text von Heiner Ziegler (mehr Informationen unter http://www.pieris.ch/diagnostik/s_mannii_09.html)

2008: Vorzeitige Ankunft in der Schweiz der Schabrackenlibelle (Anax ephippiger) 
Vorzeitige Ankunft in der Schweiz der Schabrackenlibelle (Anax ephippiger), beobachtet und fotografiert durch Beat Schneider am 4. Mai 2008 in Pfungen ZH. Diese aus Afrika und Westasien stammende Libellenart gehört zu einer sehr mobilen, wandernden Art, welche in der Schweiz zwischen Mai und Juli auftritt und sich während des Sommers in weniger als 3 Monaten entwickeln kann, wenn es die Bedingungen erlauben. Das Schlüpfen dieser Libellenart kann zwischen Ende Juli bis Oktober beobachtet werden. Diese Art kann mit der Kleinen Königslibelle (Anax parthenope) verwechselt werden. Die Beobachtung mit dem Fernglas erlaubt eine Artbestimmung ohne Einfang. Dabei muss bei A. ephippiger auf die genaue Ausdehnung des blauen Flecks am Ansatz des Abdomens, dieser ist kleiner bei A. ephippiger, und auf die beige-braune Färbung der Augen und der Brust geachtet werden.  CSCF, 10. Mai 2008

2005: Neue Beobachtung von Argynnis pandora (Rhopalocera) in der Schweiz
Der im Süden Europas bekannte Kardinal (Argynnis pandora), war immer ein sehr seltener Einwander in der Schweiz, die letzte Beobachtung datiert auf das Jahr 1947 in Sierre (VS). Die Fotographie von Guy Padfield vom 29. Mai 2005 ist demzufolge sehr aussergewöhnlich. Die Art wurde fligend nahe von Blasenstrauch in der Umgebung von Fully (VS) beobachtet. Sie unterscheidet sich von der benachbarten Art Argynnis paphia durch den unteren Bereich ihrer Innenflügel, welcher vor allem rot sind.

2003: Auswirkungen der Witterung der Saison 2003 für Lampides boeticus (Linnaeus, 1767), Cupido alcetas (Hoffmannsegg, 1804) und C. argiades (Pallas, 1771) [Lepidoptera Lycaenidae]
Kein Wissenschaftler hätte den grossen Zustrom von Vanessa cardui oder Moro-Sphynx 2003 verfehlen können. Die extremen meteorologischen Bedingungen im Frühling und Sommer 2003, erlaubten es anderen Arten viel diskreter in die Schweiz einzudringen oder ihre Arealstaaten aus zu bauen. Was die Einwanderer betrifft, L.boeticus wurde in vielen Regionen beobachtet. Vor allem im Norden des Landes, wo er nur sehr sporadisch auftauchte. Nach den ersten Beobachtungen im Vallis Mitte Juni (R. Imstepf), wurde Lampides beoticus im Juli im Süden des Landes (TI; GE) ermittelt, bevor er dann auch ende des Monates im Mittelland und am Fusse des Jura entdeckt wurde. Seine Vermehrung hat auf Ziersträuchern wie Colutea arborescens und Latyrus latifolius in Hauterive NE, Neuenburg NE, La Neuveville BE et Bienne BE (L. Juillerat, C. Monnerat). im Norden des Landes statt gefunden. Ein letztes Individuum ist noch am 29.09. in Rovio TI (M.Pollini), beobachtet worden. Nach unserem Wissen ist die Art im Jahr 2004 in der Schweiz nicht mehr gefunden worden.

Betreffend den gebietsfremden Arten, C.alcetas hat sein Territorium auf den Nord-Osten, auf das Plateau am Fuss der Jurakette auf über 100km (Juillerat 2004) erheblich erweitert. Früher im Vallis und in Genf limitiert, hat der Cupido alcetas erreicht, in der Region Biel im Jahre 2003, 3 Generationen zu etablieren. Darüber hinaus hat er den Winter 2003-2004 mit Erfolg neu besiedelt. Weitere Erörterungen sollten den Umfang der Kolonisation im Osten des Kantons Bern fördern, wie auch die Ausdauer der neu installierten Bevölkerung.

In geringem Umfang, C.argiades hat auch vom Jahr 2003 profitiert um einen Teil des verlorenen Gebietes in den letzten Jahrzehnten wieder zu gewinnen. Allerdings hat sich der Cupido argiades vom Genfer Bassin bis nach Yverdon VD verbreitet (E. Eermeille;C. Monnerat; M. Pittet). Im Süden der Alpen ist er in der Region Locarno TI (L.Juillerat) und im Val Poschiavo GR (Y. Gonseth, C. Monnerat) nach mehreren Jahrzehnten ohne Beobachtung, wiedergefunden worden. Er ist im Jahr 2004 neben den traditionellen Hochburgen in Genf nur in Ollon VD (R. Delarze, BDM Z3), Fully VS (J. Fournier BDM Z3) und Weil am Rhein D, direkt bei der Baslergrenze (C. Rust) entdeckt worden.